Die Ärzte auf dem Flughafen Tempelhof

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13 Aug 2013 in Konzert

Author : groovy

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Die Ärzte und ich – eine Liebe, die seit den frühen 90er Jahren besteht. Oder – nochmal nachgedacht – schon seit den 80ern.

Die Vorgeschichte:

In den 80ern waren Die Ärzte und ich – yeaaaaaaaah. Die Alben „Ist das alles?“ und „Das ist nicht die ganze Wahrheit“ dudelten im abgelegten Kassettenplayer meiner Großtante aus dem Westen rauf und runter. Westerland, Erna P, El Cattivo, Gehn wie ein Ägypter, Du willst mich küssen, Zu stät, Radio brennt, Alleine in der Nacht, Bitte Bitte, Blumen…. You name it – ich kann sie heute noch aus dem Stand.

Dann kamen die 90er. Die Ärzte gab es nach ihrer Auflösung auf einmal doch wieder und mit „Schrei nach Liebe“ (natürlich) hatten sie auch wieder mein Herz – allerdings nicht mehr ganz so bedingungslos wie noch 5 Jahre zuvor. Ich war Teenager und somit traf „Mach die Augen zu“ meinen hin und wieder etwas schmalzigen Geschmack. Planet Punk schrammte an mir vorbei – irgendwie habe ich den Rod Hype wohl nicht verstanden, wenn ich auch in der Lage war zu begreifen, dass die Ärzte jetzt unbedingt immer 3 sein müssen und nicht nur Farin und Bela – jaaaa, das ist bei mir angekommen. Le Friseur, 13 – ja, warum nicht. Um „Männer sind Schweine“ kam man ja nicht herum und wer singt es nicht gern mit.

Dann kamen die 2000er. Ich mitten im Studium, Ausland, erste Jobs, Beziehungsdramen und da verlor ich sie. Natürlich mit Ausnahmen, denn wer kennt z.B. „Junge“ nicht. Und dennoch ist es eine einfache Rechnung „Die Ärzte + ich + die 90er? = LSMF“. Wer das nicht versteht:

Und bis vor ein paar Monaten blieben sie verloren, bis ich irgendwo in Berlin ein Plakat hängen sah, dass ein Konzert auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhof ankündigte. Da hatten sie mich wieder an der Angel. Karten gekauft und hingegangen.

 

Das Konzert:

Ich werde alt, ich gebe es zu – auf Ärztival hatte ich keine Lust, also habe ich mir die Vorbands mehr oder weniger erspart. Auf dem Gelände versammelten sich 45.000 Menschen und entsprechend kann man sich den Abstand zur Bühne vorstellen, wenn man nicht direkt bei Einlass da ist. Aber egal – Bierchen in die Hand, ein bisschen nach vorn gedrängelt und dann los los yeeeeaaah. 2 1/2 Stunden Ärzte pur. Angenehme Menschen um mich herum, keine Idioten, sondern nur Leute, die Spaß haben und bis zum Anschlagen mitsingen und -jumpen wollen. Hände in die Luft, Füße vom Boden gelöst und „2000 Mädchen, ich ruf sie an, 2000, 2000 – du gehst nicht mehr ans Telefon, das ist nicht fair von dir – uo o o oooooo, uo oooooo…“. Eine breite Mischung aus allen Jahrzehnten, viel Witz, viel Routine und vor „Schrei nach Liebe“ setzen sich alle hin um gegen Nazis zu demonstrieren. Einfach ne schöne Geste. Zugaben sind mitlerweile ja gelernt. Schade eigentlich, dass man heute gar nicht mehr bangen muss, ob die Band nochmal kommt oder nicht. Man weiß ja, dass sie mindestens noch 3 mal ohnehin erscheinen. „Bitte Bitte“ als Reggea-Version kannte ich noch nicht, animierte mich aber zu einem weiteren Bier und den persönlichen Höhepunkt gab es ganz zum Schluss mit „El Cattivo“. Da hatten sie mich wieder komplett in ihrem Bann. Gemeinsam mit 45.000 gutgelaunten, begeisterten Menschen ströme ich zum S-Bahnhof Flughafen, singe die Lieder, erinnere mich an die guten alten Zeiten und groove Richtung Heimat.

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